Das endgültige Ende des Alternativen Jugendzentrums am Karl Marx Platz 19
26. November 2009 von lebewesen
Im Jahr 1991 wurde das ehemalige Kinderheim „Hertha Geffke“, dessen Besitzansprüche zur damaligen Zeit ungeklärt waren, von Greifswalder Jugendlichen besetzt. Sie wollten einen Freiraum schaffen, in dem sich Jugendliche politisch und kulturell ausleben können. Es entstanden ein Konzertsaal, Café, Infoladen, Fahrradwerkstatt und viele weitere Projekte. Die Besetzer_innen gründeten einen Verein, dem die Gemeinnützigkeit zuerkannt wurde, um förderbar und ansprechbarer zu sein. Die Stadt Greifswald unterstützte daraufhin den AJZ e.V finanziell, aber nur unter der Bedingung, dass mit den Ämtern der Stadt zusammengearbeitet wird. Nach dem die Besitzansprüche im Jahr 1993 an dem Haus geklärt waren und die Altbesitzerin eine Räumungsklage einreichte, stellte die Stadt alle Unterstützungen ein. Die Besetzer_innen suchten daraufhin nach einer Lösung ihren Freiraum zu erhalten. Es wurden vielen Verhandlungen mit der Stadt, Banken und Altbesitzerin geführt, die zeitweise von vielen Aktionen begleitet wurden.
Der Kampf um das Alternative Jugendzentrum ging über mehre Jahre, gegen Ende wurde mit einem symbolischen Trauerzug durch die Stadt das AJZ zu Grabe getragen und im Rathaus aufgebahrt. Am 4 Februar 2000 war der Termin für die Räumung. Am 3. Februar 2000 verließen alle Bewohner_innen das AJZ am Karl Marx Platz 19.
Nach dem Verlassen des AJZ wurde es sehr schnell durch Plünderungen unbewohnbar. Heute am 26. November 2009 wurde mit dem kompletten Abriss des Hauses begonnen. Greifswald verliert nun endgültig ein Stück alternative Geschichte in dem Utopien gelebt werden konnten.
Eine Chronik über das AJZ ist im April 2000 in der Ausgabe 4 des Likedeeler erschienen.















[...] Lange erinnert in einem sehr lesenswerten Post auf seinem Blog an das AJZ und die Auseinandersetzungen [...]
[...] lebewesen hat Bilder des symbolischen Trauerzuges ins Rathaus (Februar 2000) veröffentlicht. Eine [...]
[...] bilder und videos sind zu finden auf dem fleischervorstadt-blog, auf dem lebewesen-blog und in einer alten [...]
[...] der subkulturellen und alternativpolitischen Bewegung in Greifswald zerstört. (Weitere Infos hier, hier, hier und [...]
[...] Das ZDF erzählt anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls Geschichten aus Ost und West. Dabei wird auch über Studieren in Greifswald berichtet. Der Beitrag ist allerdings viel zu positiv und wird im Fleischervorstadt-Blog kritisiert. Durch Kommentare und einfache Nachforschungen stellt sich heraus, dass die Pressestelle der Uni das ZDF genarrt hat. Die interviewte Studentin arbeitet bei der Pressestelle der Uni als studentische Hilfskraft. In der Folge wurde der Fleischervorstadt-Blog auf dem BILDblog verlinkt. Hier zeigte sich, wie wirkungsvoll das Web2.0 sein kann und wie stark es sich in Greifswald inzwischen entwickelt hat. Wenige Tage später wird das Audimax besetzt, gerade weil die Studienbedingungen nicht so rosig sind. Das AJZ wird abgerissen. [...]