Veranstaltungshinweis: Simone Weil Lebenserfahrung und Geistesarbeit
15. Januar 2010 von lebewesen
mit Lou Marin, Marseille (Verlag Graswurzelrevolution), Übersetzer eines Buches über Simone Weil und den Anarchismus
am 21. Jan. 2010, um 19.30 Uhr im IKuWo, Goethestraße 1, Greifswald Veranstaltet von der AG Theorie unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern.
Simone Weil (1909-1943) wurde in Frankreich von bedeutenden Vertretern der sozialistischen Bewegung mit Rosa Luxemburg verglichen. Im Gegensatz zur Mehrzahl der französischen Intellektuellen machte sie sich keine Illusionen über den Charakter der UdSSR, den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland oder die Parteien der französischen Volksfront. Simone Weil gehörte einer minoritären politischen Kultur an, die das stalinistische Verständnis des Sozialismus sowie die Identifikation der Arbeiterbewegung mit der »Arbeiterpartei« nicht teilte. Nach 1934 gehörte sie zu den wenigen klarsichtigen Aktivist_innen, die sich ohne falsche Hoffnungen mit den Niederlagen der weltweiten Arbeiterbewegung befassten und anfingen, deren Ursachen methodisch zu untersuchen. Die Erfahrung ihrer Teilnahme an Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1936 führte sie zu neuerlicher Kritik an revolutionärer Gewaltanwendung, die im französischen anarchistischen Milieu noch lange nach ihrem Tod und bis heute diskutiert wird. Verglichen mit ihrer relativ kurzen christlichen Lebensphase gegen Ende ihres Lebens steht heute die anarchistische Lebens- und Schaffensphase Simone Weils bei der Betrachtung meist im Abseits. Genau daran soll an diesem Abend erinnert werden. Der geistige Reichtum ihres Denkens, ihre Freiheitsvision, die sie vor dem Hintergrund ihrer Lebenserfahrungen entwickelte, sollen Thema werden. Sie stellte sich den schlimmsten Tragödien des 20. Jahrhunderts (Faschismus, Nationalsozialismus, Stalinismus, Bürgerkrieg in Spanien) als gewaltkritische Anarchistin in einzigartiger Weise und entwickelte aus ihrer Industrialismus- und Bürokratiekritik einen heute noch aktuellen, ökologischen und utopischen Entwurf dessen, was Freiheit im politisch-gesellschaftlichen Bereich sowie in der Arbeitswelt bedeutet.
Quelle: Ankünigungstext der AG Theorie


