Doku „Wir sind wieder da“ 1991-92
17. Mai 2010 von lebewesen
Ich erhielt heute per PrivacyBox einen Link zu dem Film „Wir sind wieder da“ von Winfried Bonengel aus dem Jahr 1991-92. Der Dokumentarfilm zeigt das Wiedererstarken der Neonazi-Szene nach der Wiedervereinigung in Deutschland. Im Film kommen einige Neonazikader zu Wort, die Hauptfigur Ingo Hasselbach wird zwei Jahre später aus der Szene aussteigen und unter anderem Mitbegründer der Neonazi-Aussteiger-Organisation Exit Deutschland.
Der Dokumentarfilm beleuchtet auch die Neonaziszene in Greifswald (ab Minute 21) und zeigt für mich sehr klar, was für ein Klima zu der damaligen Zeit in der Stadt herrschte. Da können Täter vor der Kamera frei ihre Ideologie zur Schau stellen und auch Straftaten völlig frei zugeben. Erschreckend auch, wie falsch die Stadt in Person von Bernd Schröder als damaliger Jugendamtsleiter die Lage einschätzte, indem er die Taten als „Randale Spielen“ verharmloste.
Es kam ab dem Jahr 1990 zu einer Vielzahl von Angriffen auf Unterkünfte von „Ausländern“ in Greifswald (Brandteichstrasse, Makarenkostraße, auf dem Medigreifgelände und in Eldena), die gezeigten Brandspuren (Minute 29) zeigen einen zum Glück fehlgeschlagenen Angriff auf das Heim in Eldena. Leider erfolgte am 07.11.1991 ein weiterer Angriff von 15 Neonazis auf das Heim. Während ein Teil der Gruppe auf der Vorderseite eine Reizgasflasche ins Treppenhaus warfen um den Bewohner_innen den Fluchtweg zu versperren, warf der andere Teil auf der Rückseite einen Molotow-Cocktail in das Materiallager im ersten Stock. Nur durch das schnelle Löschen des Brandes durch die Bewohner_innen konnte schlimmeres verhindert werden.
Der im Film bei einer Wehrsportübung gezeigten „Führer von Greifswald“ Klawitter war bis zum Verbot der Heimattreue Deutschen Jugend (HDJ) 2008 in dieser aktiv.


Früher gab es ja noch entsprechende Downloadlinks…
Der Film ist gut und zeigt eindrucksvoll, wie es hier mal abging. Danke für den kurzen Beitrag!
Krass! Ich hab zwar nur ab dem HGW-Teil geguckt, aber krass! Wenn schon vor 20 Jahren diese Mentalität vorherrschte, ist ja ganz klar, dass einige Teile der Bevölkerung hier damit aufgewachsen sind, es vielleicht nicht mehr so offen sagen, aber denken. Besonders erschreckend finde ich, wie der Typ vom Jugendamt lacht und es witzig findet, als er von Überfällen der jungen Neonazis auf Asylbewerberheime spricht. Da tun sich Abgründe auf.
Das gibt Krasse einblicke! Und es gibt zu denken.
Das ist alles nichts neues aber es ist interessant wie wenig sich im grunde bei den Nazis geändert hat!
danke für den up! war def an der zeit.
entschuldigt leute, mich haut der film nicht um und ich finde ihn auch nicht krasz. guckt euch mal ein biszchen um und macht die augen auf, denn nur weil die neonazis heute keine boneheads mehr sind, wie in diesem amüsanten filmchen, und wir auch nicht mehr die neunziger haben, heiszt es nicht das sie weniger geworden und heute weniger “krasz” sind. wer sich vllt einmal die zz leider etwas fragmenthafte chronik der antifa greifswald reinzieht
( http://antifahgw.blogsport.de/chronik/ ), der wird selbiges feststellen. von hakenkreuzschmiererein bis morddrohungen gegenüber antifaschist_innen ist doch alles dabei. es hat sich wenig verändert, allenfalls das aussehen der neonazis hat sich angepaszt.
vllt ist es an dieser stelle genau richtig mal an euch und vllt einige greifswalder_innen mehr zu appellieren; widmet euch der antifaarbeit und werdet gegen die neonazis aktiv anstatt euch mit eurem eszen, eurer subkultur, dem hedonistischen vergnügen oder sonstigen dingen zu befaszen.
[...] Blog-Lebewesen gibt es die Möglichkeit sich die Fernseh-Dokumentation „Wir sind wieder da“ von 1991 [...]